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Archiv für Januar, 2011

Warum deutsche Internet-Startups Copycats sein sollten

28. Januar 2011 14 Kommentare

Wer hätte das gedacht, von mir kommt ein Plädoyer für weniger Kreativität. Aber im Ernst, wenn man die Situation im Deutschen Internetmarkt anschaut, dann ist der Schluss gar nicht so abwegig besser was zu kopieren als es komplett neu zu machen. Hier ein paar Argumente für das Kopieren:

1. Viele US-Startups verfügen über Zugang zu Know How, den Europäische Startups gar nicht haben können. Aktuelles Beispiel ist Quora. Hier kennen Ex-FaceBook Mitarbeiter die FB-Infrastruktur so gut, dass sich viele Aspekte von selbst erschließen.

2. Copycats können auch ohne exzellente Software-Ingenieure unter der Leitung von Betriebswirtlern gestemmt werden. Die spezifische Situation in Deutschland hat leider dafür gesorgt, dass zu wenig kreative Software-Ingenieure ausgebildet werden, es wandern auch so gut wie keine nach Deutschland ein. Es gibt also einen großen Wettbewerb um die wenigen echten Talente, sie werden gut bezahlt, gründen ist hier oft keine Alternative. Und Entwickler, die etwas nachbauen können was es schon gibt, sind einfacher zu finden.

3. Das Risiko-Profil im Deutschen VC-Markt verhindert, dass Investments in Grundlagen-Internettechnologien (also in nicht CopyCat-Startups) geleistet werden können. Der US-Internetmarkt zeichnet sich dadurch aus, dass er 4-15 mal größer ist (je nach Segment). Das bedeutet ein deutlich geringeres Risiko auch wenn doppelt so viele Investments im jeweiligen Bereich gemacht werden.

4. Deutsche tun sich ganz offensichtlich leichter den nicht englischsprachigen Markt zu erschließen als US-Companies. Was die Internationalisierung angeht, haben also die US-Startups wegen ihrer offensichtlich schlechteren „Execution-Skills“ gar keinen Vorteil trotzdem sie früher gestartet sind, Grupon ist hierfür das beste Beispiel.

5. Copycats haben zusätzliche Exit-Option. Neben den üblichen Verdächtigen in Deutschland, ist der Kreis um die Vorbilder in US erweitert. Das ist für viele Investoren attraktiv.

DLD 2011 in München

23. Januar 2011 5 Kommentare

Heute hat in München der DLD 2011 begonnen. DLD bedeutet „Digital – Life – Design“, es geht also um die Zukunft, und das zum fünften mal. Der DLD ist eine Veranstaltung, die fast so viel Eintrittsgeld kostet wie das SEOktoberfest, auch in München stattfindet und sehr prominente Redner aufbietet, zum Beispiel Eric Schmidt – ehemals Googel, jetzt Freelancer, Beth Comstock von NBC oder Jason McCabe Calacanis den CEO von Mahalo.com und König des SerpInSerp. Ein hier nicht genannter Zyniker sagt dazu „Leute aus der Vergangenheit referieren über die Zukunft“.

Warum sollte man beim DLD dabei sein? Zum einen um zu zeigen, dass man eingeladen wurde, denn eingeladen wurden nur die oberwichtigen Leute. Zum anderen um zu zeigen, dass man es sich leisten kann, die Karten sind ja nicht gerade billig. Und dann kann man auch noch Burdas Tatort-Bambi Frau Furtwängler einen Kreativ-Bambi verteilen sehen. Und sonst?

Ich hab im Vorfeld einige Leute gefragt warum sie hingehen, die Antworten waren bezeichnend: „Ich suche einen neuen Job“, „Um all die Leute zu treffen, die im Foyer stehen, müsste ich das Dreifache an Reisekosten ausgeben“, „Das Essen ist klasse und die Firma zahlt die Tickets“, „Die Party ist gut“. OK Leute, viel Spaß beim Rumstehen im Foyer und auf der Party!

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