Ein paar Gedanken zur Zukunft von StudiVZ
Ich hab in den letzten Tagen mal aus Neugierde eine Umfrage bei ca. 30 Leuten gemacht, die alle im Online-Business arbeiten. Die Frage war “hat die VZ-Gruppe eine Zukunft?” Die Antwort war erschreckend eindeutig, 30 mal ein meist uneingeschränktes NEIN. Warum nein hab ich dann auch gleich mal gefragt. Hier ein paar Antworten:
- Die VZs unterliegen Deutschen Datenschutzrichtlinien: das ist nachvollziehbar ein Nachteil, denn Facebook kann in dieser Hinsicht anscheinend machen was es will. Nur, warum gehen die VZs nicht ins Ausland?
- Beschränkung durch die Start-URLs StudiVZ und SchuelerVZ: die jugendliche Zielgruppe wäre ja ein Vorteil, aber gerade im Internet sind Nutzer unter 30 schneller weg als man sie gewonnen hat. Ein RentnerVZ wäre beständiger.
- Schwaches Management: Hiermit ist meist gar nicht mal nur das VZ-Management gemeint sondern vor allem auch das Beteiligungsmanagement beim Besitzer der VZ-Gruppe. Von dort aus wird anscheinend vieles beeinflusst was den VZs schadet, was sie letztendlich unbeweglich macht.
- Schwaches Produktmanagement: Bietet man auf seinem Social Network keine spannenden neuen Funktionen an, dann sind die Leute, die jede Woche ein neues Gadget kaufen, schnell weg. Aber diese Leute sind das Herz einer jeden Community. Genau diese Leute haben die VZs bereits in großen Mengen verloren.
- Brain Drain: Vermutlich durch die genannten Managementfehler begünstigt, verlassen schon seit einiger Zeit einige gute Leute die Firma. Die Flucht der Talente wird begünstigt durch die Alternativen, die sich “um die Ecke” bieten. Firmen wie Rocket sind derzeit ein großer Magnet für gutes Personal.
Fazit: Holtzbrinck ist nicht zu beneiden. Die Traffic-Zahlen auf Alexa bestätigen die Einschätzung der Online-Professionals.
ja, das ist schon krass, ich kenne auch keine Kollegen, die die VZ-Gruppe positiv sehen. Aber was ist eigentlich mit den Lokalisten und WKW? Die werden ja gar nicht mehr erwähnt heutzutage…
@Nico
Nach Lokalisten, WKW und Kwick hab ich vorsichtshalber gar nicht mehr gefragt. Das sind wohl alles extrem kurzfristige Phänomene.
Wenn ich eine ländliche Perspektive einbringen darf:
bei uns (in einem der schönen ländlichen Gebiete Deutschlands) ist eine Vielzahl über 40jähriger, die oft blue-collar-jobs jeglicher Art ausüben, bei WKW angemeldet. Diese Gruppe ist eher konservativ, interessiert sich nicht für jeden Hype (also das Gegenteil der oben genannten Gadget-People) und dürfte meiner Meinung nach lange bei WKW bleiben. Ich kann mir diese Leute eigentlich nicht bei facebook vorstellen.
@Die Meinung vom Dorf
Aber reisen diese Leute nicht auch mal nach Spanien, Griechenland oder Thailand und lernen dort Leute kennen, die alle nur Facebook-Profile haben? Irgendwann knicken auch die ein und melden zumindest auch noch ein Facebook-Profil an.
Die Zukunft der VZ-Netzwerke ist sicherlich kritisch zu hinterfragen…
Was die erste Annahme anbetrifft, möchte ich aber mal mit dem immer wieder gehörten Irrtum “aufräumen”, Facebook müsse sich nicht an deutsche Datenschutzvorgaben halten.
Entscheidend ist nach dem sogenannten Sitzlandprinzip regelmässig, in welchem Land die „verantwortliche Stelle“ ihren Sitz hat. Nach § 1 Abs.5 BDSG findet das deutsche Datenschutzrecht aber auch Anwendung, wenn ein Unternehmen mit einem Sitz außerhalb der EU (sogenanntes Drittland) und dort auch die Datenverarbeitung vornimmt, aber eine Niederlassung in Deutschland hat. Mit der Eröffnung einer eigenen Niederlassung in Hamburg im Februar 2010, gilt dies also auch für Facebook. Rechtswahlklauseln in Nutzungsbedingungen haben in diesem Fall keinen Einfluss auf die Geltung nationaler Datenschutzstandards.
FAZIT: Deutsche Nutzer können sich auch gegenüber Unternehmen, mit Sitz außerhalb der EU, auf nationales Datenschutzrecht berufen, zumindest wenn das jeweilge Unternehmen – wie Facebook – eine Niederlassung in Deutschland hat.
Mehr dazu auch unter http://rechtzweinull.de/index.php?/archives/144-Facebook-und-der-Datenschutz-Rechtliche-Einordnung-von-Inhalten-in-Sozialen-Netzwerken.html
Das Problem ist neben der Geltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben aber natürlich immer auch die Durchsetzung. Dazu müssen eben Nutzer, Wettbewerber oder die Datenschutzbehörden ihre Rechte gegenüber dem jeweiligen ausländischen Plattformbetreiber eben auch einmal (zur Not auch gerichtlich) geltend machen. Sonst passiert eben auch nichts… Zumindest die Datenschutzbehörden werden in diese Richtung aber immer stärker aktiv, wie die Vorfälle um Google, Facebook & Co zeigen.
Im übrigen sollte nicht vergessen werden, dass es neben der eigenen Niederlassung im Inland auch sonst einige Konstellationen gibt, bei denen Anbieter mit Sitz im (außereuropäischen) Ausland sich an deutschen (Datenschutz-)gesetzen zu halten haben, da diese in aller Regel ja auch deutsche Nutzer ansprechen.
Der Exodus beim VZ hält schon seit einem Jahr an. Auf jeden Fall, weil das Management, speziell das der Technik, nur als chaotisch zu beschreiben ist… war, denn durch den Weggang einer bestimmten Person aus der Führungsriege kann sich vielleicht nochmal was ändern. Sieht aber trotzdem böse für sie aus.
Sicherlich hat Facebook die Nase vorn, aber die Frage, ob die VZ-Netzwerke keine Zukunft haben, klar mit NEIN zu beantworten, ist meines Erachtens falsch.
So lange jeder noch ein Auge auf die VZ-Netzwerke hat und sie nicht vom Radar verschwinden, können sie auch noch die Kurve kriegen. Gerade im Internet kann eine Plattform von heute auf morgen an Reiz verlieren oder gewinnen.
Aktuell – nach dem ca. 5 CEO-Wechsel – habe ich zumindest das Gefühl als wenn man einen guten Weg gefunden hat. Es ist sicher schwer, aber abschreiben würde ich sie noch lange nicht.
LG
Sascha
@Martin
ich galueb diese Leute fahren teilweise anders in den Urlaub, die lernen Leute aus Bochum kennen und treffen sich mit diesen Leuten dann bei WKW. Hier gibt es glaube ich schon einen Unterschied in der Nutzerschicht beider Netzwerke.
Eigentlich sollte man die Betrachtung nach Alters- und Bildungsklassen vornehmen. Bei allen Nutzern mit gehobenem Bildungsniveau bin ich ebenfalls der Meinung, dass Facebook sich durchsetzt. Bei mittlerem bis niedrigem Bildungsniveau und einem Alter über 40 wäre WKW mein Favorit, allerdings mit sehr unklaren Zukunftsperspektiven. Bei Nutzern unter 40 mit mittlerem bis niedrigem Bildungsniveau ist meiner Beobachtung nach derzeit WKW führend, aber dort könnte ein Wechsel zu Facebook passieren. Derzeit habe ich das allerdings noch nicht beobachtet.
Meine Analyse stütze ich übrigens auf die Mischung aus 5 Jahren Universitätstudium kombiniert mit 10 Jahren Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Dorffeuerwehr und beim örtlichen Sportverein.
Ich merke bei dem ganzen Gerede um Facebook und VZ und den augenscheinlichen Niedergang von VZ, dass kaum jemand bemerkt, dass es noch heimliche Community-Riesen in Hintergrund gibt, die scheinbar für ihre User sehr interessant sind, bestängig wachsen und eine enorme tägliche Zugriffszeit und Verweildauer haben.
Ich denke da an Jappy.de
Hierrüber erscheint kaum jemals etwas in den einschlägigen Blogs, obwohl dort über 1.5 Mio User sind, die fast in ihrem jappy “leben” :)
vielleicht liegt es daran,dass VZ, WKW, lokalisten etc. mit viel Geld gepuschte Systeme von finanzstarken Konzernen sind.
Wer kann mir sonst erklären, warum Jappy völlig in allen Diskussionen ignoriert wird?
Wnn ich in Berlin mit der S-Bahn fahre und zufällig mal ein Telefonat mithöre, passiert mir ganz oft, dass es dann heisst: “der ist jetzt mein Jappy-Freund… den hab ich ignoriert… treffen wir uns nachher bei Jappy…etc..”
Hab ich noch nie gehört über Facebook oder VZ :)
Da ist ein richtiges Parallel-Leben, und das querbeet durch alle Altersgruppen, und ohne Gadgets, Apps und ähnliches.
Was kümmert mich also wenn VZ mittelfristig Historie wird? Facebook wird überleben und ganz sicher jappy…ohne das es scheinbar jemand bemerkt :)
Viel spannender finde ich ja die Frage, wann das Schicksal der VZs zum Schicksal Facebooks wird. Denn die VZs folgen ja auch nur MySpace und AOL.
Im Prinzip würde ich auch zum Nein tendieren, wenn mir obige Frage gestellt würde. Allerdings hat die VZ-Gruppe mit dem schuelerVZ eine starke Nachwuchstruppe. Die Marktdurchdringung unter Schülern ist extrem – und ich halte es für offen, was das für die Zukunft bedeutet.
Kann natürlich sein, dass die nach der Schule dann überwiegend zu Facebook abwandern. Kann aber auch nicht sein. Letztlich hat hier die VZ-Gruppe einen strategischen Vorteil. Scheint mir allerdings der einzige zu sein.
Das Umfrageergebnis scheint berechtigt zu sein. Die, die Facebook am ähnlichsten sind – und das ist nun mal die VZ Gruppe mit Ihren Klonen – , werden die Konsolidierung des Marktes mittel- oder langfristig nicht überstehen. Den Kampf um Renommee in ihrem Kundenbereich haben sie bereits schon verloren. Ähnlichen Tendenzen zeigen auch die Zahlen bei WkW und den Lokalisten.
Dass es dennoch Überlebende neben Facebook geben wird, sieht man am vom Vorredner erwähnten Netzwerk Jappy. Dies richtet sich nicht nur in Berlin an eine andere Zielgruppe, sondern steht auch verkannt von Social Media Experten mit über 13 Mio Uniques / Monat auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern. Dass Jappy dennoch vieles richtig zu machen scheint, zeigen nicht nur 9 Jahre auf dem deutschen Markt, sondern auch das Kopieren eines ganzen Schwungs an Jappy-Features durch die im Abstieg begriffenen Lokalisten (laut Jappyblog.de).
Was den vermeintlichen strategischen Vorteil von SchuelerVZ anbelangt, so zweifel ich daran, ob dies ein Vorteil ist. Es ist meiner Ansicht nach wohl eher die regionale Stärke der Netzwerke, die Schüler zu den einzelnen Anbietern treibt und spätestens ab der Oberstufe zum blauen Netzwerk mit dem oben bereits erwähnten Renommee.
@MarkusB
Hierzu vielleicht noch folgendes Feedback. Am Wochenende hab ich gleich mal ein paar Schüler (Abiturienten) gefragt. Die hatten gerade ihre Schuelervz-Profile platt gemacht und sind nur noch bei FB aktiv. Ihre Begründung: bessere Funktionen auf Facebook, vor allem die “Notifications”.
Ich glaube schon das sie eine Zukunft haben, wenn sie sich spezialisieren und nicht einfach versuchen ein Deutscher Klon zu sein. Sonst könnte ja ein Xing und mein Xchar auch nicht funktionieren. Die Frage die sich das Management stellen sollte ist: Was kann ich Studenten respektive Schülern bieten um mich sinnvoller besser und interessanter zu gestallten. Ich behaupte das sich damit das VZ sicher Gewinnbringend betreiben lässt, aber ob Holtzbrinck damit die über 80 Millionen wieder rein bekommt ist ne andere Frage…
@Martin
Denke auch, dass selbst Menschen, die nicht tech savvy sind, unterschwellig merken, wieviel besser die Benutzerführung von Fb im Vergleich zu SVZ ist.
Stimmt auf dem Land ist es wie bei Premiere und heute Sky, da wechselt man nicht so schnell, und er recht nicht zu den Amis. Das kann der grosse Vorteil sein!
studivz gibt es die noch???