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Xing und Linkedin vs Facebook – ein paar Gedanken

16. Juli 2010

Haben Xing und Linkedin jeweils alleine eine Chance?

Ich fürchte alleine haben die keine Chance, vor allem Xing nicht! Schon jetzt sind viele deutsche Geschäftsleute genervt, dass sie drei Profile pflegen müssen, Xing für deutsche Geschäftskontakte, Linkedin für die internationalen Geschäftskontakte und Facebook für meist Privatkontakte. Das geht so weit, dass international aufgestellt Nutzer in letzter Zeit vermehrt XING verlassen und ihre Deutschen Kontakte auf FB oder Linkedin verweisen. Auch wandert die Aktivität verstärkt zu Facebook, da ist einfach mehr los.

Apropos mehr los: XING hat sich Ex-Ebay-Management geholt. Das sind gewiss keine Produktleute, vermutlich eher Verwalter. Bezeichnenderweise ist da jetzt jemand für die Strategie zuständig dessen Aufgabe es bisher war die Strategie von Amerikanern zu implementieren. Zumindest kommen so offensichtlich keine neuen Features oder Verbesserungen zustande. Auch offensichtliche Mängel bzw Fehlkostruktionen, zB die mobile Seite oder die App, werden nicht erkannt und zügig verbessert, ganz abgesehen davon, dass das Produkt insgesamt mal neu gedacht werden sollte und bewusst Mehrwert zu Facebook erzeugt wird. Ich hätte da schon ein paar Ideen, aber das aktuelle Management hat sie offensichtlich nicht.

Xing und Linkedin zusammen, ein Mehrwert?

Vielleicht ja! Aber nur wenn es eine klare Agenda gibt und XING nicht untergebuttert wird. An Mergers sind schon viele Unternehmen kaputt gegangen. Da das deutsche Management bei einem Merger obsolet wird, denn die Verwaltung aufzublähen bringt nichts, dürfte XING bei einem Merger ziemlich untergehen. Das wäre schade, denn vieles auf XING ist besser als bei Linkedin, klarer gestaltet und einfacher zu bedienen. Aber da es keinen starken Produkt-Mann bei XING gibt, würden sich auch beim Produkt die Linkedin-Leute durchsetzen. Die dann sattfindenden Anpassungen des Produkts würden dafür sorgen, dass ein Merger viele XING-Nutzer Facebook zutreibt. Ich fänd das schade, denn ich mag Facebook nicht (noch darf ich das sagen).

Die wahrscheinlichen Szenarios – the winner takes it all!

1. Facebook bietet eine Differenzierung bei den Freunden an, also zB. Business-Kontakte oder private Kontakte. Dazu ein paar individuelle Features. Schon ist Facebook auch ein Business-Netzwerk. Dann geht die Flucht aus XING und Linkedin so langsam los. Selbst wenn viele erst mal zurückhaltend bleiben, viele werden relativ schnell entweder XING oder Linkedin nicht mehr nutzen.

2. Facebook kauft Linkedin und vernetzt das Ganze über die Facebook-ID. Der User ergänzt seine Facebook-ID im Profil bei Linkedin und schon hat er nur noch einen Login, ist bei beiden gleichzeitig online. Darüber hinaus hat Linkedin nun nahezu unendliche Resourcen, keinen Druck mehr Geld zu verdienen und kann fleißig neue Features entwickeln oder aus Facebook übernehmen. Facebook-Nutzer mit Interesse am Business-Netzwerk können mit einem Klick Linkedin beitreten. XING-Nutzer mit Linkedin oder facebook-Profil werden sehr schnell einen wesentlichen Anteil ihrer Aktivität von Facebook weg verschieben. Anderen wird es dann auf XING zu langweilig, der Abwärtstrend bekommt Dynamik.

3. Alles bleibt wie es ist, XING und Linkedin wachsen weiter fleißig mit +5%. Einige werden ihre Business-Kontakte auf Facebook pflegen, aber das werden nur ein paar Freaks sein. Nein, ein Szenario 3. wird es nicht lange geben.

4. Facebook wird zerschlagen und wird aufgrund datenschutzrechtlicher Gründe im Nutzungsumfang in vielen Ländern nur eingeschränkt zu nutzen sein. Deswegen verliert es an Attraktivität und alle anderen Sozialen Netzwerke sind die Profiteure. Glaub ich das wirklich?

Fazit

Wenn sich das XING-Management nicht bald mal bemüht ein paar richtige gute Features rauszuhaun oder den Laden an Linkedin zu verkloppen, liegt das Kursziel bei XING langfristig bei 1 EUR, dann kauft Schober die Daten. Linkedin hat immerhin das Glück im Blickfeld von facebook zu sein. Die Linkedin-Investoren werden durchatmen, wenn der Laden verkauft ist.

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  1. 16. Juli 2010, 12:52 | #1

    Hallo,

    interessante Szenarien. Ein paar Gedanken von mir dazu:

    LinkedIn und Facebook haben unterschiedliche Zielgruppen. Viele finden eine Trennung von privat und geschäftlich durchaus sinnvoll (ich gehöre dazu). Von daher ist die Pflege zweier Profile mit zwei Ausrichtungen durchaus von einigen gewollt.

    Auch funktionieren die Geschäftsmodelle anders: Wie viele Facebookkunden zahlen 500 $ im Monat für Ihren Account?

    Auch habe ich das Gefühl, das Facebook und LinkedIn eine “Nichtangriffspakt” haben – zu sehr achten beide Netzwerke auf Ihre Abgrenzungen.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass beide ihre Existenzberechtigungen längerfristig haben. Was in 10 Jahren ist, kann eh keiner vorhersagen (Stichwort: 2nd Live).

    In einem Punkt gebe ich Dir recht: Xing hat da relativ schlechte Karten. Dieses ist zum einen funktional bedingt (http://linkedinsiders.wordpress.com/2010/06/10/todosxing/), und es grenzt sich nicht eindeutig ab. Für ein reines Businessnetzwerk auf jeden Fall zu spammy.

    Ein Kauf von Xing wurde von Reid Hoffmann und Kevin Eyres kategorisch abgelehnt. Was auf den ersten Blick nach “Neidfaktor” aussieht, macht bei genauren Blick durchaus Sinn. Selbst in Deutschland hat sich die Anzahl der LinkedIn Mitglieder mehr als verdoppelt, die Aktivität (nach Comscore) um 450 % erhöhrt: Warum also 100 Mio. ausgeben (die LinkedIn wahrscheinlich eh nicht hätte), wenn es scheinbar auch fast ohne Marketingaktivitäten geht? Hinzu kommt: was sollten diese mit Xing anfangen? Die Daten haben eine andere Qualität und wären nicht ohne weiteres Migrationsfähigkeit, und zwei GUI auf Dauer zu pflegen wäre zu kostenintensiv.

    Was macht dementsprechend LinkedIn? Aussitzen, wie in Spanien oder Italien (exemplarisch: http://bit.ly/bvhQOo oder http://bit.ly/c1Lxxb).

    Liebe Grüße
    Stephan

  2. Martin
    16. Juli 2010, 13:03 | #2

    @Stephan
    Vielen Dank für diesen erhellenden Kommentar! Bei solchem Feedback macht das Bloggen richtig Spaß!

  3. Martin
    16. Juli 2010, 13:09 | #3

    @Stephan
    Wow, die Trends in Italien und Spanien sind ernüchternd. Was die ToDo-Liste angeht, da kann man hinter jeden Punkt einen Haken machen. Mir persönlich fehlen da sogar noch ein paar Sachen.

  4. 19. Juli 2010, 11:19 | #4

    Hallo zusammen,

    mir sind da noch einige Aspekte aus Unternehmenssicht wichtig,
    da ist zum einen die viel zitierte Social Media Guideline, die in meinen Augen eher eine Benimm2.0 – also gesunder Menschenverstand sein sollte. In diesem Punkt stören bspw. die vielen Browser-Spiele in FB; das gehört nicht in ein Business Netzwerk. Und die Strategie “mein Haus, mein Auto, mein Pferd” mit Bildern unterlegt, finde ich ebenso eher abschreckend.

    Richtig ist, dass ein Management-Profil nicht aus XING in Deutschland, viadeo in Frankreich und Salambc in der Türkei etc. bestehen darf, da sonst der eigentliche Sinn einer zentralen Visitenkarte nicht mehr da ist und der Zeitaufwand die Pflege unattraktiv macht. Daher ist bspw. bei uns LinkedIn der klare Favorit.

    Bleiben wir beim Dialog mit den Kunden, da klemmt es bei FB deutlich: warum gibt es keine Direktlinks zu Fanseiten oder warum kann man auch persönlichen Seiten nicht Unternehmens-Marken-Fanseiten machen?

    Wir sind übrigens gerade beim Punkt Employer Branding bei XING rausgefallen: http://www.westaflex-forum.de/blog/2009/12/04/ende-einer-xing-freundschaft/

    Dann noch ein Punkt, der mir bei LI sehr gefällt: die APIs um bspw. die externen Kontakte ins/ans Intranet zu integrieren. Facebook geht eher den umgekehrten Weg und möchte alles bei sich auf der Portaloberfläche aggregieren – dazu sind die Zugriffszeiten jedoch VIEL zu instabil und langsam (N.B. wir nutzen eine 134 MB Standleitung im Unternehmen und bekommen trotzdem Verbindungsabwürfe…..).

    Voll-klimatisierte Grüße :-)
    Jan

  5. 22. Juli 2010, 00:18 | #5

    In der heutigen ” distributed Arbeitswelt ” vermischt so oder so alles. ( privat und business ). Deshalb bin ich aus XING weg, auch weil die mir Konkurrenz machen und nutze nur noch Facebook. Und bei 500 Mio. kann ich ned irren, oder. Schöner post!

  6. Maxomoto
    23. Juli 2010, 12:34 | #6

    Ich denke perspektivisch wird es nur einen geben (wobei das Szenario mit der Akquise von LI durch FB sicher nicht unwahrscheinlich ist). Selbst WENN es Leute gibt, die Xing behalten wollen, weil Sie beruflich und privat deutlicher trennen wollen, werden diese Leute den Großteil Ihrer Aktivität bei FB haben. Dazu muss man sich nur mal die mobilen Zugriffe auf FB anschauen. Und alles was Xing an Monetarisierung machen kann hängt auch irgendwie mit der Nutzeraktivität zusammen. Wenn die Leute Xing nur als “dummes” Adressbuch/Visitenkartentool nutzen, dann lässt sich das auch kaum besser monetarisieren als heute. Und wenn ich mir meine eigene Nutzung und die vieler Bekannter anschauen, ist Xing bereits genau nur noch das – ein “dummes” Adressbuch – sicher keine Community, noch viel weniger ein relevanter “entry point” oder Portal.

    My 2 cents. Max

  7. 17. November 2010, 07:29 | #7

    Leider tragen die bisherigen Beiträge nicht gerade dazu bei, dem “Suchenden” die Entscheidung, für oder gegen ein Netzwerk, eindeutig zu erleichtern. Das eine kümmert sich nicht um den deutschen Markt, das nächste ist noch immer auf die private Kommunikation ausgerichtet und das letzte wird hier als “dummes Adressbuch” abqualifiziert.

  8. 12. Dezember 2010, 17:06 | #8

    Hallo, EuropaDruck,

    hatte der Artikel den Anschein erweckt, eine Bedienungsanleitung zu sein?

    Liebe Grüße
    Stephan

  9. Roberrto
    3. August 2011, 23:40 | #9

    “Apropos mehr los: XING hat sich Ex-Ebay-Management geholt. Das sind gewiss keine Produktleute, vermutlich eher Verwalter.”

    +1 !

  10. 12. März 2012, 16:55 | #10

    Ich denke auch das Xing mittelfristig Probleme bekommen wir. Lustiger weise empfehlen viele Analysten Xing noch zum Kauf. Denn in der Facebook Euphorie könnte die Aktie auch noch mal steigen. Hier mal eine Verkaufsempfehlung die es wirklich kurz und knackig auf den Punkt bringt wo die Probleme liegen.

    http://www.de.sharewise.com/aktien/DE000XNG8888-xing/analyse/2323176/Kursziel_39_Euro_XING-Aktie%3A+Ergebnis+durch+Abschreibungen+belastet?market_id=5

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