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Das Internet-Manifest, mehr als nur ein Linkbait?

Den folgenden Artikel habe ich als Gastkommentar der aktuellen Ausgabe des Magazins Textintern beigesteuert. Ich hoffe mal dass ich mich mit meinem Kommentar nicht all zu sehr in die Nesseln gesetzt habe.

Das Internet-Manifest, mehr als nur ein Linkbait?

14 mehr oder minder bekannte Personen, die mit dem Internet mehr oder weniger professionell zu tun haben, äußern sich am 7.9.2009 gemeinsam mit einem “Internet-Manifest” in 17 Thesen. Wozu eigentlich, tut das wirklich not? Ist das durchaus nicht geringe Medien-Echo überhaupt gerechtfertigt?

Offensichtlich bezieht sich das “Internet-Manifest” auf die sogenannte “Hamburger Erklärung“, denn bereits im ersten Punkt der Erklärung heißt es “Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein“.

Am 8.6.2009 hatten diverse Verlage die „Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums“ veröffentlicht. Dieser Zeitpunkt scheint nicht zufällig, denn am 27.9.2009 findet die Bundestagswahl statt und die Legislative wird in der “Hamburger Erklärung” auch direkt erwähnt: “Wir begrüßen deshalb die wachsende Entschlossenheit von Bundesregierung, Landesregierungen und den im Bundestag vertretenen Parteien, die Rechte von Urhebern und Werkmittlern weiter an die Bedingungen des Internets anzupassen“. Überaus provokant mag vielen im Internet publizierenden Journalisten und Nichtjournalisten insbesondere der letzte Satz der “Hamburger Erklärung” erschienen sein: “Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus“.

Als reine Replik auf die “Hamburger Erklärung” sollte man das “Internet-Manifest” jedoch nicht verstehen, denn die Thesen der glorreichen 14 beanspruchen eine gewisse Allgemeingültigkeit und werden darüber hinaus zur allgemeinen Überarbeitung per Wiki bereit gestellt. Und einer solchen bedürfen sie offensichtlich, denn die Kommentare unter dem Manifest zeigen, dass nur wenige Punkte vollständig unwidersprochen bleiben.

Als Linkbait hat das “Internet-Manifest” bereits wunderbar funktioniert, ob die Diskussion über die 17 Thesen zu nachhaltigen Ergebnissen führen wird würde ich eher bezweifeln. Wirtschaftliche Interessen, hier die von etablierten gut vernetzten Verlegern verantwortlich für zehntausende von Arbeitsplätzen, wiegen im Zweifel mehr als politische Statements von Experten und Idealisten.

Erfreulich auf jeden Fall, dass das Medium Internet als moderne Agora und Diskussionsplattform in einer Form mal wieder und besser denn je funktioniert.

Martin Allgemein , ,

  1. 16. September 2009, 18:55 | #1

    Deine Perplexität kann ich verstehen und teile sie. Wenn jemand ungefragt etwas zum Besten gibt und dann auch noch Manifest nennt bin ich schon von Haus aus eher skeptisch. Ich muss mich allerdings fragen, ob Du Dich mit dem Manifest wirklich mit der notwendigen Aufmerksamkeit gewidmet hast, denn hier wurden schon einige Hammerthesen formuliert.
    Bei These 1. geht’s direkt in die Vollen : Das Internet ist anders
    wow – darauf muss man erstmal kommen !
    These 3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.
    Ich glaube das stimmt, hier bin ich allerdings intellektuell bereits etwas überfordert. Erinnert mich irgendwie an die alte Marketingweisheit : “If you got nothing to say, sing it !”
    Als Linkbait hat die Idee marketingtechnisch schon wieder einen gewissen Charme. Deswegen würde ich doch vorschlagen, daß wir auch mal ein Manifest erstellen. Ein Preisvergleicher Manifest. Ich hab mir auch schon ein paar Thesen überlegt (ist vielleicht noch ausbaufähig, aber vom Niveau geht es meiner Meinung nach in die selbe Richtung) :
    1. Nur wer Preise vergleicht ist ein Preisvergleicher
    2. Wer Preise nicht sauber vergleicht ist auch kein Preisvergleicher.
    3. Nachts ist es kälter als draussen
    4. Komm ich heut nicht komm ich morgen
    5. http://www.guenstig.de ist besser als Idealo.de
    6. guenstiger.de ist überbewertet
    …..

    Wie gesagt, vielleicht ausbaufähig, aber schon mal ein Anfang. In diesem Sinne.

    Gruß
    Michael Moster
    http://www.guenstig.de

    p.s. krieg ich einen Backlink oder ist das hier einer von diesen “nofollow Blogs”

    :-)

  2. 16. September 2009, 19:05 | #2

    @Michael Das sieht mir schwer nach nofollow aus ;-)

    Ich hab es mir extra verkniffen jede einzelne These zu kommentieren, das passiert in den Kommentarten bereits recht gut. Die peinlichen Lobhudeleien muss man ignorieren. Man sollte allerdings nicht nur auf der Manifest-Website nach den Kommentaren schaun, sondern auch jeweils auf den Blogs der Beitragenden. Ist etwas nervig, aber durchaus erhellend.

    Sagen wir es mal so, der Charme der “Hamburger Erklärung” ist, dass die Verleger wenigestens nicht das Wort “Manifest” benutzen. Der Charme des Manifestes ist, dass sich mal wieder bestätigt, dass wenn viele schlaue Leute zusammen kommen, nicht unbedingt was Schlaues bei herauskommen muss.

  3. Martin
    16. September 2009, 19:08 | #3

    @Michael Wenn Du Backlinks willst, dann gib mir ein gutes Thema :-)

  4. 17. September 2009, 08:00 | #4

    auf jeden Fall scheint mir, daß Du Dich in Deinem Gastkommentar auch etwas zurückgehalten hast. Ich denke in unserer Bewertung des “Manifests” sind wir uns einig. Fehlt nur noch, daß jemand daraus 95 Thesen macht und das ganze an die Tür des Haburger Michel kloppt. Vieleicht hane dann mal wieder eine neue Religion.
    Bezüglich Backlink und gutes Thema. Giulia Siegel hat einen Sexberater gechrieben. Geht meiner Meinung nach in dieselbe Richtung. “Dinge, die keiner braucht”. C-Prominenz schreibt unaufgefordert über Sachen von denen Sie offensichtlich nicht viel verstehen.
    In diesem Sinne :-)

  5. 20. September 2009, 15:05 | #5

    Ich halte es ja weniger für einen Link- als vielmehr für einen Personalitybait. Und man muß den Beteiligten zugfestehen, dass es – eingeschränkt – natürlich auch funzt.

  1. 7. Oktober 2009, 18:50 | #1