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Gute und schlechte Gründer-Teams

Die Qualität und Zusammensetzung eines Teams ist entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Wie sieht die Realität aus? Was für Teams laufen einem über den Weg? Hab versucht mal ein paar Prototypen herauszuarbeiten. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere Gründer hier wieder. Ich habe mir es erlaubt das Ganze mit Empfehlungen zu versehen, denn Leute die aus einer Schwäche eine Stärke machen, kommen immer gut an.

- Teamgröße
Ich gab mal eine Gründung von sechs Leuten, die meisten aus dem Bereich BWL, Jura, glaube nur ein Techniker, und der auch noch ohne Erfahrung. Viele Millionen wurden verbrannt, der Verkauf der Bude brachte 8 Jahre nach Gründung grad mal ein Drittel der investierten Summe. Also, lieber 3 statt 6 Gründer und jeder ein ausgewiesener Experte in seinem Segment.

Das Gegenteil davon, ein zu kleines Team, ist letztendlich ein Team bei dem Schlüsselfunktion nicht ausreichend besetzt sind und diese auch nicht ohne weiteres nachbesetzbar sind. Kaufmänner, die eine Basis-Technologie entwickeln wollen, Teccies, die eine Bonus-Community hochziehen wollen, Tüftler, die eine Software für Agenturen machen wollen, was haben die gemein? In Schlüsselthemen ist das Team nicht besetzt, beim ersten fehlt das Technologie-Brain, beim zweiten fehlt der Kooperations-Manager, beim dritten fehlt der Vertriebler. Selten wollen sich Investoren darauf verlassen, dass das Defizit nach der Finanzierung ausgeglichen wird.

Hier sollte man versuchen noch jemanden mit der Schlüsselkompetenz für das Projekt zu begeistern und ihn ins Gründerteam zu integrieren. Gelingt so eine Maßnahme zeigt es den Investoren auch, dass das Team flexibel reagieren kann und in der Lage ist gute Leute zu integrieren.

- Teamzusammensetzung
Leider studiert man meist nur eine Sache, da kann es dann schon mal passieren, dass man als Jurist nur Juristen kennt. Für eine Technologiefirma wären drei Juristen aber ein eher ungünstig zusammen gesetztes Team um Investoren zu begeistern.

Hier würde ich den Leuten erst mal empfehlen ein zwei Jährchen in Online-Firmen zu arbeiten und vielleicht noch ein kleines billiges Projekt in der Freizeit zu starten (Weblog, Forum etc.). Dabei lernt man in 1-2 Jahren auch als Jurist so viel, dass man Investoren möglicherweise doch noch überzeugen kann.

- Zu viele Chefs
Es kommt vor, dass man es mit mehreren Über-Egos zu tun hat. Man spürt die Spannung fast physisch in der Luft. Es ist dann meist ein unbestimmtes Gefühl, dass einen davon abhält sich weiter mit dem Team zu beschäftigen. Oft fallen solche Teams auseinander, was dann später aber auch gut sein kann, denn die neu gebildeten Teams sind “geschliffen”.

Hierarchien helfen auch bei Gründungsvorhaben. Ein großes Team muss nicht schlecht sein, wenn die Zusammensetzung gut ist und die Hierarchie stimmt. Manchmal bringen sich gute Manager eben ihre Leute für die Umsetzung gleich mit ins Team. Selten haben dann aber alle Team-Mitglieder die gleichen Anteile an der Gesellschaft.

- One Man Shows
Eine One Man Show ist nicht generell negativ. Es gibt One Man Shows in die man getrost investieren kann. Das sind Leute, die einen so großen Magnetismus haben, dass sie jede Menge gute Leute ins Team locken. Normalerweise sind das Leute, die schon erfolgreich sind und denen sowohl Mitarbeiter als auch Geschäftspartner die Wiederholung eines Erfolgs zutrauen. Aber jemand, der noch nichts gemacht hat, von dem niemand weiß was er kann, der wird kaum Investoren überzeugen.

Einem solchen Gründer würde ich empfehlen mindestens ein Jahr in eine Technologiefirma zu gehen und sich zu sozialisieren. Möglicherweise findet man dann den ein oder anderen, der mitgründen möchte.

  1. 17. Dezember 2010, 14:38 | #1

    Auch wenn dieser Eintrag schon etwas älter ist, ist das Thema aktuell wie nie. Gerade hat das Statistische Bundesamt ja wieder einen neuen Gründerboom mit einem Wachstum von 4,2 Prozent bestätigt (wenn auch durch viele geprägt Kleingründungen).

    Aber die hier in dem Artikel dargestellten Erfahrungen können wir uneingeschränkt teilen. Aspekte wie Heterogenität der Kompetenzen sind gerade in komplexen Gründungen unerlässlich – nicht nur in fachlicher Hinsicht.

    Einen Aspekt, den ich gerne noch ergänzen würde, betrifft die Teamzusammensetzung und die Überschrift “Zu viele Chefs”. Was dort beschrieben wird, ist für mich klar eine Doppelbesetzung von Teamrollen, die zwangsläufig früher oder später zu Konflikten führt. Was ich genau meine, wird vielleicht bei Betrachtung der folgenden Grafik deutlich: http://www.teamability.de/pics/Teamrolle.jpg
    In einem Gründerteam kann man unterschiedliche Präferenzen der Arbeitsstile ausmachen – eher markt- oder teamorientierte sowie eher strukturiert oder flexibel arbeitende Mitglieder. Sind hier Rollen doppelt belegt, wird nicht nur Potential verschenkt, es kommt eben auch zu Rollenkonflikten.

    Ich freue mich über eure Erfahrungen und Austausch.
    Herzliche Grüße
    Jonathan Klodt

  1. 26. August 2009, 08:26 | #1
  2. 27. August 2009, 15:30 | #2
  3. 5. Oktober 2010, 13:35 | #3