Gründungsvorhaben, in die ich nicht investieren möchte
Ich habe mich gefragt, was sind eigentlich die Aspekte, die davon abhalten ein Investment zu machen. Im täglichen Geschäft denkt man meist nur kurz über die echten Gründe nach oder trifft seine Entscheidung unbewusst. Wenn man sich die Zeit nimmt mal drüber zu reflektieren, fallen einem einige Sachen ein. Das habe ich mal gemacht und meine Gedanken hier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) aufgeschrieben:
* Intransparenz
Als wir den M&A-Prozess für den Einstieg von Axel Springer bei Idealo gemacht haben, war für uns eines klar, wir verstecken nichts, zeigen alles und weisen auch auf die Risiken hin, die wir sehen. Das haben wir schon allein deswegen gemacht weil wir davon ausgingen, dass wir ein paar Jahre zusammen arbeiten werden. Was wäre gewesen, wenn wir “Dinge unter den Teppich gekehrt hätten”? Sie wären irgendwann wieder ans Tageslicht gekommen, wahrscheinlich genau dann wenn es am meisten nervt. Wahrscheinlich weil ich eine so transparente Grundeinstellung habe, wundere ich mich über intransparente Businesskonzepte umso mehr. Es geht mir nicht in den Sinn wie man bereits den Beginn einer Geschäftsbeziehung mit Vertuschungen und Unwahrheiten belasten kann.
Intransparenz geht zudem meist noch mit einem zweiten Übel einher, Illoyalität. Zum Thema Gründer und Illoyalität gegenüber Investoren habe ich gerade einen recht interessanten Artikel gefunden bei dem es um die intransparenten Vorgänge beim Versuch eines Trade-Sales und dem anschließenden Beginn eines Arbeitsverhältnisses eines der Gründer bei Facebook, einem der Unternehmen mit dem über den Trade-Sale gesprochen wurde.
* Unfokussiertheit (ergänzt aufgrund des Kommentars von Max)
Es gibt Menschen, die sprühen vor Ideen, fangen viel an, bringen aber leider nichts oder sehr wenig zuende. Wenn solche Leute dann auch noch zusammen kommen, wirds kritisch. Der operative Misserfolg am einen Thema wird dann durch das Aufreissen einer neuen Baustelle “vertuscht” und kompensiert. Die Vertuschung ist in so einem Fall nicht mal mutwillig, sie passiert einfach. Gründer, die vor Ideen sprühen, aber neue Ideen sich irgendwo aufschreiben und erst damit anfangen, wenn sie die letzte Idee auf eine geordnete Bahn gebracht haben, sind ein Glücksfall.
* Team kennt sein eigenes Thema nicht ausreichend
Da haben sich schon ein paar Leute zusammen gefunden, aber es hapert schon bei den einfachsten Sachen. Manche Wettbewerber sind ihnen nicht bekannt, der Businessplan ist unstrukturiert oder existiert nicht mal in Ansätzen, woher die Erlöse kommen sollen ist unklar obwohl es offensichtlich wäre. Oft gepaart mit Aussagen wie “das Thema ist top secret”. Solchen Teams kann ich nur empfehlen noch mal ganz unten anzufangen und mal versuchen ein Forum oder ein Weblog zu einem bestimmten Thema erfolgreich zu machen und dann mehr zu wagen.
* Nur das Team kennt sein Thema, niemand sonst versteht es
Der Titel sagt eigentlich schon alles, illustrieren können das besser einige Zitate, die ich in diesem Zusammenhang so gehört habe: “Web3.0″, “die Revolution Kommunikation im Internet”, “der ultimative Google Killer” usw.
* Risky Business
Das Internet nährt immer wieder Phantasien an der Grenze zum Illegalen oder zumindest im Grauen. In so ein Thema kann man schon mal investieren, wenn das Team genau weiß was es macht, aber am besten nur ganz ganz wenig Geld. Oft bricht der Kontakt mit solchen Gründern nach den ersten simplen Rückfragen ab, zB ob es ein Rechtsgutachten gibt. Eigentlich schade, denn “no risk, no fun”.
* Abzocker-Business
Die Reputation, die man verlieren kann, wenn man Investor in einem Abzocker-Geschäftsmodell ist, ist noch die kleinere Sache. Die andere Sache ist, ob man damit gut schlafen kann. Ich würde mit flauem Gefühl bei Pro7Sat1 oder in den Bereich Klingeltöne investieren. Beides Geschäftsmodelle, die mit der Dummheit der Leute spielen bzw sie auch noch förden. Buddisten würden sagen, “dass das Karma drunter leidet”, meins möglichst nicht.
* Mangelnde Flexibilität
Immer wieder erstaunlich finde ich wie viele Gründer zu sehr festgelegt sind. Kleine Hinweise von Leuten, die es wissen, werden manchmal sogar als Angriff missverstanden. Geht das Geld aus, fehlt so manchem die Bereitschaft mal ein paar Monate kürzer zu treten, eine neue Finanzierung braucht halt Zeit, aber das passt nicht jedem ins Konzept, insbesondere da es ja nicht um eigenes Geld geht.
* Tendenz Geld als Allheilmittel zu sehen
Man kann nicht jedes Problem mit Geld lösen, das vergessen einige Gründer, die zwar überzeugend beim Geld reinholen sind, danach aber inneffizient wirtschaften, weil sie eigentlich gar nicht wissen was sie mit dem vielen Geld machen sollen.
* Zuviele Finanzierungsrunden / Fehler bei der Finanzierung / zu viele Gesellschafter
Dazu hab ich bereits in diesem Artikel reichlich geschrieben.
* Team-Zusammensetzung haut nicht hin.
Dazu mehr in diesem Artikel über meine Ansichten zu Teams.
Noch ein kleines Fazit zum Schluss
Immer wieder sind Startups erfolgreich, in die ich nicht investiert hätte. Man kann sich irren bzw die eigenen Investmentprinzipien garantieren am Ende doch nicht durchgängig Erfolg oder schützen gar vor Misserfolgen. Manchmal entscheidet natürlich auch Sympathie, für die man dann belohnt oder enttäuscht wird.
Im übrigen gibt es auch noch ganz andere Kriterien, manch einer investiert zB nicht in Firmen, die auf …ster enden. Freu mich in den Kommentaren über weitere Gründe nicht zu investieren. Vielen Dank schon mal jetzt!
Ich füge einfach mal frei hinzu, investiert man in den xten VZ-Klon, der sich nur wenig differenziert. Oder glaubt man dass der Markt, zwei drei gleiche vertragen kann. Gutes Beispiel sind die großen Social-Community, hier scheint es zu funktionieren. Wie gesagt sieht man beides.
Was ich bei Gründern schon erlebt habe, sie sind einfach zu stark abgelenkt bzw. das Ablenkungspotential ist sehr groß. An jeder Ecke lauert eine “Gefahr” sie von ihrem eigentlichen Business abzulenken. Es ist nur normal und wünschenswert sich z.B. eine Familie aufbauen zu wollen usw. aber wer eine Fußballmannschaft haben möchte während er gründet, macht es sich ziemlich schwer bzw. unmöglich. Oder auch ausgeprägte Hobbies und dergleichen, wer da nicht zurückstecken/verzichten kann hat nicht so gute Chance auf entsprechende Investoren und/oder Geschäftserfolg, aber das ist vermutlich eine generelle Einstellungsfrage.
@Max Danke Max, hab Deine Anregung gleich noch mit eingebaut.
Spät, aber trotzdem: Der Punkt Abzocker-Business spricht mir aus dem Herzen!