Investments, die ich gerne machen würde
Jeder Investor hat einen so genannten Investment-Fokus, bei dem einen sind das eher unbewusste Entscheidungen, ein Unwohlsein bzw das Gefühl, dass irgendwas nicht passt. Viele Profi-Investoren haben ihre Investment-Statuten, die sie aus ganz unterschiedlichen Gründen haben, zB weil es sich um einen Geschäftszweig einer bestimmten Industrie handelt.
Da ich immer wieder bezüglich Investments angefragt werde und oft sehr unterschiedlich reagiere, habe ich mich gefragt was sind denn die Investments, die ich gerne machen möchte.
* Technologie
Deutschland ist leider das Land der MeToos. Kaum eine echte Internettechnologie-Innovation ist in Deutschland entstanden. Schon allein deswegen fänd ich es spannend in internetzentrische Basis-Technologien zu investieren. Beispiele für derartige Technologien sind:
- Suchtechnologie
Aus meiner Sicht steckt in diesem Thema noch besonders viel Potential. Natürlich zeigt sich das vor allem in den Staaten, wo gerade wieder Suchtechnologie-Startups wie Pilze aus dem Boden schießen. Die neuen Themen hier heißen Vertikale Suchen, Echtzeit-Suchen und Social-Media-Suchen.
- Aggregatoren
Das Thema geht im oft mit einer starken Suchtechnologie zusammen auf die weitere Technologien aufgesetzt werden, die Business-Rules abarbeiten. Amerikanische Startups in diesem Bereich zielen voll drauf ab von den Dominatoren im Markt innerhalb kürzerer Zeit aufgekauft zu werden. So zB Friend Feed, das von facebook übernommen wurde oder Xoopit, das von Yahoo übernommen wurde.
- Ad-Server und Tracking der Zukunft
Derzeit kämpfen die Werbetreibenden wie ihre Agenturen mit der Heterogenität der Technologien rund um Banner, SEM und Affiliate. Insbesondere Post View Tracking Affiliate verfälscht den Gesamteindruck der Werbeleistung, der Werbekunde wie die Agentur sucht mehr Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten bezüglich der Bewertung von Cookies.
* B2B
B2B (Business to Business, also Unternehmen mit Geschäftskunden-Fokus) war Um das Jahr 2000 der große Hype, B2C (Business to Customer, Unternehmen mit Endkunden im Fokus) war dagegen igitt. Ironischerweise sind dann zahlreiche B2C-Geschichten zu ganz großen Sachen geworden, und sogar Google wurde erst naach der Umstellung von B2C auf B2B erfolgreich. Mittlerweile ist das Klima für Geschäfte, die sich um Geschäftskunden kümmern, wesentlich besser geworden und ich glaube hier gibt es mittlerweile großes Potential bzw einiges an Nachholbedarf. Die oben genannten Themen passen schon in den B2B-Fokus, hier noch weitere konkrete Beispiele für B2B-Themen mit Potential:
- SEO-Tools wie Sistrix, Seolytics oder Searchmetrics sind von Experten für Experten gebaut und erfreuen sich bereits großer Beliebtheit. Ich denke die drei genannten Tools werden den deutschen Markt zukünftig dominieren und haben das Potenzial auch in Übersee Kunden zu gewinnen. Ähnliche Tools, die jetzt noch nachkommen, werden es schwer haben, denn die meisten Kunden sind schon weg und historische Daten fehlen diesen Tools auch. Gleichzeitig nutzen die genannten Tools auch noch einiges an Weiterentwicklungspotential, sie werden ihren Vorsprung nur dann halten können wenn sie noch einige neue Funktionen bringen.
- Bid-Management-Tools und -Technologien: Refined Ads oder Intelliad sind beides Tools für SEM-Werbetreibende, die von Leuten entwickelt wurden, die ihre Kunden kennen. Diese Tools helfen ein paar Mannstunden pro Tag beim Kampagnenmanagement einzusparen. Auch diese Tools müssen sich permanent weiter entwickeln, denn Google wir seine SEM-Adminsitration ständig weiter entwickeln. Ein anderes Beispiel für SEM-Technologie ist das üppig finanzierte US-Unternehmen Reachlocal.com, die sich mit dem Vermarkten und Aussteuern lokaler Werbung beschäftigt.
* Strategische Investments
Ich habe gemerkt, dass mir kleinere Investments keinen Spaß machen, da ich mich nicht ausreichend verpflichtet fühle viel zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Dadurch, dass ich selbst voll berufstätig bin, kann ich natürlich nur in einem gewissen Rahmen während meiner Freizeit zum Erfolg eines Investments beitragen. Das lässt es nicht zu, dass ich mich in umfangreiche Vertragswerke oder Geschäftsmodelle, fern von dem was ich kann und kenne, einarbeiten kann. Investments, die ich mir vortsellen könnte zu machen:
- Content-Sites, die es nicht schaffen User auf Ihre Seiten zu bekommen. Hier kann neben einem Investment mit KnowHow im Bereich SEO geholfen werden.
- Trafficstarke Communities, die nach einem Erlösmodell suchen. Hier könnte neben einem Investment bei der Suche nach Erlösmodellen außerhalb des sicher nicht mehr langlebigen Post View Cookie-Droppings geholfen werden. Alternativ stellt sich die Frage nach einer Neuausrichtung des Produktes oder ob ein strategischer Partner.
- Contentlastige Communities, die am Break Even kratzen und kein signifikantes Wachstum mehr hinlegen. Oft ist hier eine strategische Neuausrichtung notwendig, manchmal hilft ein strategischer Partner.
* Fazit: Beim kritischen Lesen meiner Auflistung wird mir klar, dass ich nicht mehr an das ganz große B2C-Modell glaube, es zumindest nicht sehe. Die meist beachteten US-Startups wie Twitter oder Friendfeed beschäftigen sich bereits nur noch mit Detailfunktionen und von vornherein stellt sich nicht die Frage wie verdienen die ihr Geld, sondern welcher großer Player kauft diese Unternehmen auf (wobei diese Unternehmen durch die Granularität durchaus das Potential haben von den großen Playern aufgekauft zu werden).
Für die sehr viele der deutschen Web2.0 Startups sehe ich hingegen eher schwarz, denn ich sehe einerseits kaum Geschäftsmodelle, die granular genug sind um von großen Sites oder Verlagen aufgekauft zu werden, andererseits wird vieles kaum so groß werden, dass es profitabel wird und den Investoren wird dann wohl die Lust vergehen.