Die größten 10 Fehler bei Technologie-Startup-Finanzierungen
Ein paar Investments habe ich in letzter Zeit gemacht, nicht viel, aber gelernt hab ich trotzdem was. Die meiner Ansicht nach größten Fehler bei Technologie-Startup-Finanzierungen (lustigerweise sind es 10 geworden) hab ich hier mal ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgelistet. Nicht dass Firmen, die diese Fehler gemacht haben nicht auch erfolgreich sein können, aber es werden Ressourcen verschwendet, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheiden könnten.
- Zu viele Investoren
Ich kenne einige Startups bei denen sich die Anzahl der Gesellschafter schon im zweistelligen Bereich bewegt. 3-4 Gründer, 4-5 Angel Investoren, 2-3 Venture Capital Firmen, am besten noch ein paar “Strategen” aus der Industrie. Wenn man in so einer Bude drin ist, macht es als Investor keinen Spaß mehr und mindestens ein Gründer kümmert sich nur um die Investoren. Die Strategie ist natürlich auch stark investorenbeeinflußt, man strebt den schnellen Exit an oder die Gründer bemühen sich jeden Vorschlag von Leuten ernst zu nehmen, die ihr Branchen-Knowhow aus den Medien haben.
Einen möglicher Grund höre ich öfters von Gründern, dass die vielen Investoren ihr Netzwerk mit einbringen. Aber wer bringt schon sein Netzwerk mit ein, wenn nur ein paar Prozente an der Firma hat und die vielen anderen Investoren ebenfalls von diesem Netzwerk profitieren und am Ende auch noch die Kontakte einsammeln.
- Die falschen Investoren
Es gibt Leute, die immer die falschen Fragen stellen, andere haben sinnlose Kontrollbedürfnisse, viele Investoren verstehen den Wert einer Firma nur durch Finanzierungsrunden, andere finden generell die Firma sei im Top-Management personell extrem unterbesetzt und brauche dringend mehr Leute mit 100Kplus Jahresverdienst. Dann gibt es auch noch diejenigen, die selbst den dümmsten Vorschlag eines Gründers unterstützen statt ihn zu hinterfragen. Will man solche Leute als Gesellschafter haben? Ich nicht.
- Zu viele Finanzierungsrunden
Im letzten Punkt schrieb ich “viele Investoren verstehen den Wert einer Firma nur durch Finanzierungsrunden”. Wenn man solche Leute in der Firma hat, dann kann man sich auf reichlich Finanzierungsrunden einstellen. Meist stellt sich später raus, dass man zwei von drei Runden nicht gebraucht hätte wenn man sich aufs Produkt fokussiert hätte.
- Zu viel Geld
Wenn einem Dinge zu leicht fallen, denkt man bestimmt nicht über Alternativen nach. Ein Unternehmen führen heißt aber sich ständig Gedanken machen was man effizienter machen kann. Denkt man aber nur drüber nach was man als nächstes kaufen sollte, dann wirds schon kritisch.
- Zu wenig Geld
Mini-Investments verleiten zu Kaltstarts. Dann ist es manchmal besser ein Projekt gar nicht zu starten oder es als Freizeit-Projekt zu betreiben und nachdem man was vorzeigen kann Geld aufzutreiben
- Falsche Kapitalzuführung
Lieber ein verzinstes Darlehen mit Rangrücktritt, aber dafür eine bessere Bewertung, als das Geld im Stammkapital, aber dafür eine Schrott-Bewertung, also viel von der Firma weg geben. Der Rangrücktritt beim Darlehen schützt vor der Überschuldung, das ist das Wichtigste.
- Zu schlechte Unternehmensbewertung
Diese Thema kommt nur zu gerne mit den Themen “zu viele Investoren”, “zu viele Finanzierungsrunden” und “zu viel Geld” zusammen. Bei solchen Konstellationen kommt es zu den irrsinnigsten Konstellationen, denn die Beteiligten bekommen mit der Zeit immer asynchronere Interessen. Oft sind die Gründer mit ihren Anteilen nicht mehr ausreichend motiviert und nerven die Investoren mit zusätzlichen Motivationshilfen. Kommt es zum Exit wirds besonders anstrengend. Der Käufer muss dann noch das Gründer-Management bei Stange halten weil es am Deal nichts verdient hat.
- ESOPs (Employee Stock Ownership Plan)
Ich kenne nicht eine Firma der dieses Thema was gebracht hätte außer Arbeit und falsche Anreize. Gründer sind Gründer, und die meisten Angestellten wollen vor allem einen sicheren und abwechslungsreichen Job. Selbst die Erfolgsfälle beeindrucken mich nicht: was nützt es Google, dass sie etwa 5000 Millionäre in der Firma haben, die sich mehr als mit der Arbeit damit beschäftigen wo sie ihr Geld investieren sollen und die vor schlechter Laune nicht mehr klar denken können weil sich der Kurs nach unten bewegt.
- Zu wenig Fantasie und Risikobereitschaft bei der Finanzierung
Ich bin immer wieder überrascht, aber viele Gründer brauchen unbedingt Venture Capital. Ab einem bestimmten Punkt wäre oft eine Fremd-Finanzierung der richtige Weg, das schützt vor all zu großer Verwässerung, aber viele Gründer sind total fixiert auf VC, als wäre es besseres Geld.
Darüber hinaus haben insbesondere in Förderregionen Gründer oft eine unglaubliche Anspruchshaltung gegenüber der Übernahme von Risiken. Übergangslos werden Bafög, Förderprogramme der Uni und danach diverse Landesförderprogramme inklusive subventionierte Beratung in Anspruch genommen. Mit diesen Mentalität darf es dann natürlich nur eine Eigenkapital-Finanzierung sein, am besten mitsamt eine Co-Finanzierung durch ein staatliches Institut.
- Falsche Berater
Schlechte Anwälte und überforderte Berater sind eine nicht gerade seltene Plage junger Unternehmer. Den Gründern werden Bewertungen vorgeträumt, den Investoren wird vermittelt die Gründer wären in der Lage eine Finanzplanung zu erstellen. Die Kosten der Berater drohen einen großen Teil der Finanzierung bereits aufzufressen und schrecken die Investoren ab. Am Ende einigen sich Investoren und Gründer hinten rum und der Berater verklagt das junge Unternehmen, das seine Ressourcen besser aufs Produkt fokussieren sollte.
Finde es auf die richtigen Punkte gebracht. Alles andere macht keinen Spaß mehr.
Sehr guter Input, da steckt eine ganze Menge Wahrheit drin :-) Schön, wären jetzt noch aktuelle Beispiele!
Wir suchen übrigens gerade einen Investor, evtl. besteht ja Interesse… Das Projekt kannst du ja an meiner eMail-Adresse erkennen. Wir haben bisher 3.000 Euro investiert, sind jetzt 2 Wochen online. Haben bereits jetzt nen 5 stelligen Umsatz und der “Break even” ist bereits erreicht – also die 3.000 Euro sind schon wieder drin. Die ersten Magazine haben bereits über uns gschrieben – ohne auch nur eine Pressemitteilung bzw. eMail – so ist seit gestern nen Artikel in der ComputerBild über uns (da war der Break even aber bereits erreicht). WIr haben bisher noch nicht einen Cent in Werbung investiert!
Das läßt sich doch wunderbar einfach als Link an potentielle Gründer verschicken. Hilfreich!
Gute Zusammenfassung. Einiges davon kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Hinzuzufügen gibt es, dass man sich nicht auf Investments in Teams einlassen sollte, in denen eine Schlüsselfunktion (meist Marketing/Vertrieb) nicht besetzt ist.
Wenn man abgelehnt wird von den meisten VC, und dennoch den Mut und die Energie aufbringt weiterzumachen, besinnt man sich fast automatisch auf die meisten Punkte. Und das Unternehmen lebt auch länger…
Hallo Herr Sinner,
wenn es erlaubt ist, möchte ich das mal aus Sicht eines Gründers, der in der Regel auch gleichzeitig Investor ist, kommentieren:
Gleich vorab kann ich Ihnen in vielen Punkten nur zustimmen. Auch Herrn Rodenstock möchte ich da uneingeschränkt beipflichten.
Die richtigen Investoren: Manche Gründer wären schon zufrieden einen zu haben, aber der muss dann auch passen. Es ist nicht immer nur das Geld, mindestens genauso wichtig ist das Verstehen um was es bei dieser Gründung geht, wie sind die Persönlichkeiten, kann man miteinander, welches sind die mittel- und langfristigen Perspektiven und ist mein Investment auch eins wovon ich was verstehe. Ein Investmentbanker, der z. B. privat in den Bereich “Neue Medien” investiert, sollte sich auch in diesem Bereich auskennen und dann noch die spezielle Ausrichtung des Vorhabens, bezogen auf die bereits vorhandenen Mitbewerber und dem angepeilten Marktsegment nachvollziehen können. Nur alleine der Prosa eines Businessplans zu folgen, der evtl. auch noch durch entsprechende Prognosen von Beratern gestützt wird, sowie ein für ihn lesbares und verständliches Zahlenwerk, reichen einfach nicht aus. Das bemerken beide spätestens dann, wenn es mal nicht so läuft wie geplant. Und dieser Punkt kommt schneller als man denkt.
Dann kommt eine Finanzierungsrunde: Planzahlen und Milestones werden der Situation angepasst. Der Investor besteht auf Einsparungen und es wird gestrichen was nur eben geht. Als erstes verzichten die Gründer weiterhin auf ein Einkommen, die Entwicklungskosten werden auf ein Minimum reduziert, Marketing und PR komplett aussen vorgelassen. Auf dieser Basis schießt der Investor nach, aber nur unter der zusätzlichen Bedingung, das die Gründer auch noch Kapital hinzufügen. Falls nicht muss man die Geschäftsanteile zugunsten des Investors erhöhen. Arbeitsleistng wird nicht, oder nur ansatzweise bewertet. Auf jeden Fall kann es erstmal weitergehen.
Ich denke es ist allen Lesern klar was nun folgt: Das Projekt hat nach viel längerer Zeit den Status einer Betaversion erreicht. Jetzt geht es darum strategische Partner und andere Kooperationspartner zu finden. Dazu braucht es aber einen der das auch kann. Im Businessplan war eine bestimmte Person dafür vorgesehen, aber diese ist der Reduzierung von Kapital zum Opfer gefallen. Er wär immer noch bereit, aber umsonst arbeiten kann auch keiner, zumal er einer ist der genau ins Team passt und lanjährige Erfahrungen in genau der Branche hat in der man Fuss fassen will. Er wäre aber bereit seine Forderung anzupassen und als Ausgleich eine Beteiligung zu akzeptieren.
Dies ist für die Gründer kein Problem, aber der Investor muss ja im gleichen Verhältnis seine Anteile reduzieren und einen zusätzlichen Betrag nachschiessen. Jetzt kommt ihm die Idee andere Investoren hinzuzunehmen. Nur woher, zu welchen Bedingungen und hat man nicht durch die vorherige Unterkapitalisierung zu viel Zeit gegenüber den Wettbewerbern verloren? Jetzt kommen die Gründer noch weiter unter Druck. VC’s anschreiben, Businesspläne erstellen am besten in x verschiedenen Formaten, weil jeder hat da so seine Eigenarten. Das Projekt/Produkt wird zweitrangig, die Jagd nach Kapital hat begonnen und der Fantasie sind zu diesem Zeitpunkt Grenzen gesetzt. Bank geht nicht, da die Gründer ihr ganzes Kapital schon investiert haben und ohne Sicherheiten geht nichts. Fördermittel: zu Spät. Investor reduziert das Engagement auf die monatlichen Fixkosten für Miete, Strom, Telefon und Internet. Die Gründer erkämpfen sich weiteres Kapital auf privater Ebene um trotz aller Widrigkeiten die Vision voranzutreiben. Die Motivation sinkt. Der tägliche Ablauf wird von der finanziellen Situation bestimmt. Die Zeit für das wesentliche, dem Projekt/Produkt, wird aufgezehrt von der Suche nach gangbaren Lösungen. Irgendwann kommt der Punkt, wo es nervlich nicht mehr geht, wo die Familie ihr Recht einfordert und so werden aus engagierten Visionären gescheiterte Gründer die nicht mal ihre Verluste gegeüber dem Finanzamt geltend machen können.
Die Gründer geben sich, nicht ganz zu unrecht, die Schuld für ihr Versagen. Alles was erstmal bleibt sind die Erfahrungen und die Erkenntnis: Nächstes mal machen wir es anders.
Hoffentlich trifft man dann mit dem richtigen Projekt auf die richtigen Menschen.
Eine sehr gute Zusammenfassung von Martin mit fast allen kritischen Punkten, die man als Gründer beherzigen sollte. Die meisten erfolgreichen Gründungen erfolgen in “down-times” und sie benötigen nicht sehr viel Investment am Anfang (abgesehen von einigen sehr Kapitalintensiven Branchen). Auch braucht man dafür entweder Genialität, Erfahrung, gutes Timing oder einfach nur Glück. Am besten alles gleichzeitig. Auf jeden Fall ist es gut, dass in Deutschland soviel gegründet wird, am besten wäre noch mehr!