Alle gegen eBay
Hab heute zwei sehr interessante sich gut ergänzende Artikel in meinem Feed-Reader gefunden:
How Facebook, MySpace and YouTube Killed eBay
Der Tech-Crunch Artikel von Keith Rabois beschreibt den Wechsel der aktivsten User von ebay zu den Netzwerk- und Interaktionsseiten für die eBay nicht mehr der Top Player der Spaß-Hitparade ist. Leider bringt dieser Artikel das eBay-Dilemma nur zum Teil auf den Punkt. Den Titel sollte man aus meiner Sicht noch erweitern: “How Facebook, MySpace, YouTube, Amazon Marketplace, Price Comparison Websites, Social Shopping and the Stock Market Killed eBay”. Warum diese Erweiterung?
Dass eBay aus dem Bereich “Social Shopping” kannibalisiert wird, lässt sich ganz gut aus dem weiter unten verlinkten Artikel rauslesen.
Der Amazon Marketplace wiederum (und dessen Copy Cats) hat sich einen großen Teil des Geschäftes mit den Händlern geschnappt, die keinen eigenen Shop betreiben wollen oder können. Diese Händler waren traditionell bei eBay und wurden wegen der immer teureren Provision aus eBay vertrieben.
Und warum Preisvergleiche? Besonders kompetitiv agierende Händler haben bei eBay sehr schnell keine Plattform mehr gehabt. Die Gebühren waren denen zu hoch, aber sie hatten auch keine adequate Möglichkeit zur Integration ihrer Angebote bei eBay, denn der eBay-Katalog erfüllte nicht die Wünsche dieser Kunden. Diese Händler – und natürlich auch die Händler, die es nie bei eBay probiert haben und gleich mit einem eigenen Webshop gestartet sind – brauchten Plattformen um ihre Waren strukturiert, also in Katalogen, zu präsentieren, das leisten die Preisvergleiche. eBay selbst hat sich später mit Shopping.com einen Preisvergleich ins Boot geholt und schaufelt eine Menge Traffic rüber, kannibalisiert also sogar selbst einen Teil seiner Nutzerschaft in Richtung Preisvergleich. Aber das hat selbst die Old Economy gelernt, besser sich selbst kannibalisieren als dass es die Konkurrenz tut.
Aber warum soll denn die Börse eBay kannibalisiert haben? Ein wesentlicher Aspekt warum viele professionelle Händler eBay verlassen haben sind die hohen Provisionen. Ein nicht börsennotiertes Unternehmen hätte sich bei den Provisionen vermutlich stärker zurückgehalten und sich mehr um die Weiterentwicklung des Produktes gekümmert. Die Börse verlangt ständig wachsende Gewinne, so ist das Optimieren an der Preisspirale der einfachste Weg die Analysten zu befriedigen, allerdings auch der einfachste Weg das Produkt zu schwächen. Die Acquisitionen von Skype und Shopping.com waren ebenfalls typische Reaktionen auf den Druck den Analysten auf so einen Laden wie eBay machen, denn die Kassen waren voll und Cash macht wesentlich weniger Rendite als das Kerngeschäft von eBay.
Und hier noch der Beitrag zur Social Shopping Site Etsy, dem Marktplatz für Handgemachtes. Etsy steht sicher für vieles, was eBay mal war: Der Marktplatz für Spaßverkäufe und die aktiveste Shopping-Community im Netz.
Hallo Martin, ich stimme in den meisten Punkten 100% mit Dir überein. Letztendlich erscheint mir für Online-Händler jedoch bei allen Fürs und Wieders bzw. Preis-Issues, die Du nennst, eine Multikanal-Strategie unumgänglich, die sowohl die Preisvergleichsmaschinen, Amazon, eBay, einen eigenen SE-optimierten Shop, als auch Affiliate-Widgets etc. berücksichtigt. Am Ende des Tages hilft wirklich nur eine knallharte Analyse, wie viele MARKETING-Euros in einen Kanal fließen und wie viele Abverkäufe dadurch erzielt werden. Da kann heute ein Produkt bei eBay effizient laufen, morgen bei Amazon und übermorgen im eigenen Shop…
@Björn Behrendt Hi Björn, natürlich gibt es noch genug Händer für die eBay sehr attraktiv ist. Aber klar ist auch, dass für Händler, die nur 10% Marge auf ihre Artikel haben, eBay nicht mehr der optimale Kanal ist. Ich stelle im übrigen fest, dass viele Händler bestimmte “Absatzkanäle” nicht mehr bespielen, da ihnen der jeweilige Kanal zu viel Aufwand macht. Da ist insbesondere eBay mit dem für Händler oft sehr anstrengenden Bewertungssystem ein Kanal von dem die Händler dann die Finger lassen. Ich möchte auch eins nicht unerwähnt lassen: ich bin gerne eBay-Nutzer. Aber ich war auch nie einer von den Nutzern für die eBay eine Community ist.
Wenn eBay tot ist, heißt das wir müssen diesen Monat unsere Idealo-Rechnung nicht mehr zahlen? :-)
@Christian
Hi Christian, ich halte eBay für ein kerngesundes und gut aufgestelltes Unternehmen, profitabel ist eBay sowieso und kann sicher noch ne Menge Rechnungen zahlen. Nur ist eBay eben (leider) nicht mehr “Der Marktplatz für Spaßverkäufe und die aktiveste Shopping-Community im Netz” der eBay mal war. Ganz bewusst habe ich deswegen auch den Titel nicht im Sinne des Tech Crunch Artikels gewählt. Dort kennen die sowieso nur zwei Arten von Unternehmen, solche die durch die Decke gehen, und solche die sie für tot halten. Aber dann wäre idealo wohl auch eins der toten Unternehmen.
Ebay ist mal gut gewesen, heute ist es einfach unmöglich zu verkaufen und mit einem Lächeln das Portal zu verlassen.
Emens überteuerte Gebühren, mangelde Sorgfalt/Prüfung in Bezug auf Verwarnungen/Meldungen macht Ebay nicht arm aber deren Kunden unzufriedener denn je.
Es wäre zu schön mit anzusehen wenn Ebay endlich Konkurenz hätte.
Würden sich die kostenlosen/kostengünstigeren Auktionshäuser es schaffen Ebay die Kunden wegzuschnappen, sähe es sehr bald sehr finster aus um Ebays Welt. Sprich ihr Börsengang wär schnell am Ende.
Klar Ressourcen habe die genug…vorerst…
Haben sich ja auch lange Zeit vom Kunden “genährt”, und der Kunde lässt gewähren..wo er doch sonst jeden Cent 2mal umdreht um über die Runden zu kommen…aber wenn man erstmal Süchtig ist..zählt es nicht mehr wie Teuer etwas ist…
Sehr interessanter Artikel – kann den genannten Punkten soweit zustimmen. Jedoch wäre es auch möglich, eBay als Marketing-Tool zu sehen und weniger als Vertriebsplattform. Die Rentabilität der eingesetzten Mittel wäre natürlich spannend zu wissen.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es sobald ernsthafte Konkurrenz für eBay im Bereich der B2C und C2C Auktionen geben wird. Denn der Kunde ist nun mal dort, in der Bucht, und deren Medienpräsenz ist schon gewaltig. Hood, azubo usw. sind ja auch nicht erst seit Gestern dabei. Die haben es aus meiner Sicht aber nie geschafft die kritische Masse an Kunden und Auktionen zu erreichen.