Cebit Blues
Die Cebit scheint in diesen Tagen losgegangen zu sein, ich hab es nicht wirklich mitbekommen. Vor einem knappen Jahrzehnt war es undenkbar auf einen Cebit-Besuch zu verzichten, die Cebit war die Leitmesse für alles Innovative rund um Computer, Handy und Server- und Bürotechnologie, aber auch bedeutend im Bereich der Unterhaltungstechnologie. Gleichzeitig war die Cebit der wesentliche Treffpunkt für Branchenkontakte in der noch sehr kleinen Online-Branche. 2000 gab es auf der Cebit sogar eine eigene Halle in der Wagniskapitalinvestoren ausgestellt haben.
Für die Cebit musste man um halb sechs Uhr morgens aufstehen, eine Reise zur Cebit war irgendwie aufregend. Die Cebit war andererseits auch so etwas wie Frühlingsanfang, denn komischerweise war es meist auf der Cebit, dass man das erste mal im Jahr ohne Mantel draußen rumlief oder sogar vor einer der Imbissbuden draußen rumsaß. Aber warum ist die Cebit so unbedeutend geworden?
Meiner Ansicht nach ist man in Hannover selber schuld. Sicher gibt es mehr Wettbewerb, insbesondere durch die IFA in Berlin. Aber vor allem hat man es versäumt zu investieren und für neue Themen die entsprechenden Branchen-Foren zur Verfügung zu stellen. Ohne weiteres hätte die Cebit für die Onliner zur Leitveranstaltung des Frühjahres werden können. Sie könnte es sogar immer noch werden, der Frühjahrs-Slot ist noch frei, man könnte zB einen Anker wie die A4U, SES oder SMX dauerhaft nach Hannover locken. Auch ein innovatives Lineup als Alternative zum MWC Barcelona wäre immer noch möglich. Und selbst eine eigene Games-Convention hätte man in die Cebit integrieren können, denn die Schnittstellen zur klassischen Cebit wären immer noch groß genug gewesen. Wer sich wegen der Games nach Hannover begibt, der wird sich auch noch die Neuigkeiten bei Grafikkarten und Prozessoren antun.
Die als so innovationslos bezichtigten Kaufhäuser sind da anscheinend weiter als die Messeorganisatoren, Shop in Shop ist in jedem besseren Kaufhaus Standard, in Hannover glaubt man in der Lage zu sein eine Messe ohne Segment-Spezialisten machen zu können.
Aber gut so, dass die Cebit Organisatoren so innovativ sind, wie sie sind. Dann eigentlich ist die Cebit schon immer so etwas wie ein nur inhaltlich zufriedenstellender Ausnahmezustand gewesen: viel zu wenig aber miese und überteuerte Hotels (oder alternativ: Einblicke in das Familienleben niedersächsischer Kleinbürger), schlechtes überteuertes Essen, langweilige Parties, schlechte Logistik, zu wenig Taxis, welcher Cebit-Besucher kennt das nicht.
Wenn die Organisatoren aufgeschlossener wären, dann hätten sie sich bereits um Folgendes gekümmert: besseres und gesünderes Essen insbesondere auf dem Messegelände, spätere Zugverbindungen damit man die Standparty nicht dann verlassen muss wenn sie anfängt lustig zu werden, Kleinbusshuttles nicht nur auf dem Gelände, sondern die ganze Nacht und in die gesamte Stadt (was kostet das schon 30 Kleinbusse bis 2 oder 3 Uhr Nachts durchfahren zu lassen).
Aber muss man traurig sein, dass in der Messeleitung Ignoranten sitzen, für die Messebesucher keine Gäste sind, um deren angenehmen Aufenthalt man sich besser kümmern sollte? Aus Sicht deutscher Wirtschaftsförderung sicherlich, aber aus “User-Sicht” bestimmt nicht: Zur Online-Messe fahre ich viel lieber ins Rheinland als nach Hannover, zur SES lieber nach London oder Hamburg, Gamer fahren bestimmt gerne nach Köln, der Flug nach Barcelona dürfte die Mobile-Freaks kaum teurer zu stehen kommen als die Anreise nach Hannover, und die Hotels sind in Köln, Hamburg oder Barcelona preiswerter und besser als in Hannover.
Volle Zustimmung!
Bin erstmals auch nicht da…trotz des Governators (Arnie) :-) Manche “Onliner” rennen nach dem Wegfall der OMD jetzt zur Cebit (Marketing Solution Area), die bislang aber eher eine schlechte Figur gemacht hat (imho).
Grüße aus dem Rheinland
Einspruch – was für die “große CeBIT” gilt, muss nicht für alle Bereiche gelten. Im Planet Reseller in der Halle 25 waren viele eBusiness-Unternehmen vertreten, die miteinander (statt mit Laufpublikum) Geschäfte anbahnen konnten, das Catering war erstklassig und preisgünstig, die Logistik hat funktioniert. Wenn ich es richtig gezählt habe, waren ca. 15.000 Entscheider (die sich extra registrieren mussten) vor Ort, keine schlechte Quote. Nur wissen muss man es halt – dann stolpert man auch nicht durch die Marketing Solutions Area oder durch andere Hallen, in denen man sich verläuft.